Bob, der Schnorrer – Ein Tumor hinter Gittern
Ein dahergelaufener Zellhaufen taucht unangemeldet auf und hält sich sofort für ein Ereignis von existenzieller Bedeutung. Udo Sailer sieht das anders. Also bekommt der ungebetene Mitbewohner zunächst einen Namen: Bob. Und anschließend Ärger.
Bob, der Schnorrer – Ein Tumor hinter Gittern erzählt von Prostatakrebs, Chemotherapie, Hormonbehandlung, Untersuchungen und Medikamenten. Klingt nicht besonders lustig. Ist es stellenweise auch nicht. Aber dann gibt es da noch Bananenzimmer, radioaktive Karrierechancen als Nachtbeleuchtung, einen stabschwingenden Druiden namens Docetaxel und die Erkenntnis, dass selbst Ärzte gelegentlich kaputtgehen.
Während Bob versucht, die Hauptrolle zu übernehmen, hat sein Gastgeber andere Pläne. Er schreibt Bücher, macht Musik, fährt durch die Gegend, besucht Annette im Friedwald, philosophiert über Hostien und Speyerer Brezeln und beschäftigt sich vorsorglich mit dem Leben nach dem Tod. Dort operiert der Heilige Melissengeist als Himmels-CIA, während Posaunenbläser Jericho beschallen und Tech-Milliardäre als Seraphim und Cherubim auf den Chef aufpassen.
Dazwischen geht es um Menschen, die bleiben, um solche, von denen man besser Abstand hält, um Musik, Kunst, Freundschaft, Abschiede, Gebrauchsspuren und die Frage, warum das Leben überhaupt einen Sinn brauchen sollte, wenn ein Dienstag auch ohne einen auskommt.
Das alles ist tatsächlich eine Geschichte über Krebs. Nur weigert sich dieses Buch hartnäckig, sich entsprechend zu benehmen. Es ist kein medizinischer Ratgeber und enthält keine Anleitung zum Gesundwerden. Es erzählt davon, was passiert, wenn ein Tumor die Hauptrolle verlangt und auf einen Autor trifft, der die Besetzung bereits anderweitig vorgenommen hat.
Bob durfte mitspielen. Mehr aber auch nicht.
Die Bilder
Mit Ralf Wentz hatte ich einen Fotografen an meiner Seite, der meine manchmal ziemlich schrägen Ideen nicht nur verstanden, sondern mit seiner eigenen Bildsprache weiterentwickelt hat. So entstanden Fotografien, die weit mehr sind als Illustrationen zum Text. Sie erzählen mit – mal komisch, mal nachdenklich, mal völlig absurd.
Ralf hat diesem Buch damit eine zweite, visuelle Stimme gegeben. Und etwas geschafft, das mir besonders wichtig war: Auch seine Bilder nehmen Bob ernst genug, um ihn nicht allzu ernst zu nehmen.
© 2026 Udo Sailer
Fotos: Ralf Wentz
Foto »Emma« (S. 33): Evelyn und Philipp Weller
Verlag: BoD · Books on Demand GmbH, Überseering 33, 22297 Hamburg, bod@bod.de
Druck: Libri Plureos GmbH, Friedensallee 273, 22763 Hamburg
Gebundene Ausgabe: ISBN: 978-3-6967-7822-4
