Udo Sailer

Eine winzige Nichtigkeit

Eine winzige Nichtigkeit

Coverdesign Eine winzige Nichtigkeit

Einleitung

Mit »Eine winzige Nichtigkeit« legt der Musiker und Autor Udo Sailer einen literarischen Gegenwartsroman vor, der in einem kleinen Dorf an einem unberechenbaren Fluss spielt – zwischen Uhrmacherwerkstatt, Kinderhospiz und Marktplatz. Im Zentrum stehen der verschlossene Uhrmacher Johann Sibenthal, sein Großneffe Ruben, die beobachtende Carla, ihre Freundin Lina sowie die Katze Frau Stolzenberg.

Inhaltsbeschreibung

Herr Sibenthal repariert Uhren – und mit ihnen, so scheint es, manchmal auch die Zeit. Bei einer »historischen Unterzeichnung« hält er das Pendel der Rathausuhr sieben Sekunden lang an: eine winzige Verschiebung, die Abläufe, Beziehungen und Gewohnheiten unmerklich aus dem Takt bringt. Ruben, der seit einem Jahr verstummt ist, findet Zuflucht in Sibenthals Werkstatt; Carla hält alles mit ihrem Aufnahmegerät fest; Frau Stolzenberg, die Katze, taucht stets dort auf, wo jemand Schutz braucht. Als ein Brief enthüllt, dass Rubens totgeglaubter Vater Étienne lebt und zurückkehrt, und der Fluss nach starken Regenfällen den Hang unter dem Hospiz bedroht, wird deutlich: Scheinbare Nebensächlichkeiten – ein Stift, eine Schraube, das kaum hörbare Kratzen einer Feder, juristisch »eine winzige Nichtigkeit« – können über Leben und Verlust entscheiden.

Thematischer Kontext

»Eine winzige Nichtigkeit« verhandelt Themen, die in einer beschleunigten Gegenwart besondere Relevanz haben: Klimarisiken und Überschwemmungen, der Druck permanenten Funktionierens, Hospiz- und Palliativarbeit als Raum für gute Tage statt reinen Abschieds, Fragen nach Schuld und Verantwortung sowie nach Herkunft, Exil und doppelter Identität. Mit einem feinen Hauch magischen Realismus – die Eingriffe des Uhrmachers bleiben technisch erklärbar und zugleich symbolisch aufgeladen – verbindet der Roman Coming-of-Age, Familiengeschichte und Dorfroman. Wiederkehrende Motive wie Uhren, Glockenschläge, Wasser und Risse – in Mauern wie in Biografien – fügen sich zu einer poetischen Studie über Verletzlichkeit, Verantwortung und Widerstandskraft.

Zielgruppenhinweis

Der Roman eignet sich für Jugendliche ab ca. 12–16 Jahren ebenso wie für ein erwachsenes Publikum, das sich für Themen wie Achtsamkeit, Zeitwahrnehmung, Hospizarbeit, ländliche Räume im Wandel sowie Familien- und Generationenkonflikte interessiert.

Zitat des Autors

»Mich interessiert nicht der große Knall, sondern der Moment davor und danach. In ›Eine winzige Nichtigkeit‹ möchte ich zeigen, wie viel Freiheit in einer winzigen Verzögerung steckt – in den sieben Sekunden, in denen man noch einmal anders entscheiden könnte. Oft sind es gerade diese Momente, die nie in Berichten auftauchen und dennoch darüber bestimmen, ob eine Familie zusammenfindet oder ein Mensch nicht übersehen wird.« — Udo Sailer

© 2026 Udo Sailer

Titelfoto: Getty Images/istockphoto.com
Verlag: BoD · Books on Demand GmbH, Überseering 33, 22297 Hamburg, bod@bod.de
Druck: Libri Plureos GmbH, Friedensallee 273, 22763 Hamburg

Softcover: ISBN: 978-3-8423-9019-5
E-Book: ISBN: 978-3-6963-1736-2 

11 Kommentare zu „Eine winzige Nichtigkeit“

  1. Präzise wie ein Uhrwerk, poetisch wie Jazz

    Man merkt diesem Roman an, dass der Autor Musiker ist. Der Text ist rhythmisch gebaut: Pausen, Einsatz, Verzögerung, wie im Kapitel über das Konzert in der Kirche, als eine Katze den zweiten Satz „aus dem Takt“ bringt und gerade dadurch alles ins Lot rückt. Formal überzeugt mich die Polyphonie der Perspektiven: der altersweise Uhrmacher Sibenthal, die neugierige Carla, der wortkarge Ruben, der kontrollierende Bürgermeister, sogar die „Insta-Familie“ Hoffmeister mit ihren Murmeln. Immer geht es um Zeit und um winzige Eingriffe: sieben Sekunden an der Rathausuhr, ein Filzstück an der Glocke, ein Päckchen Murmeln, ein Weckerverleih beim Stromausfall. Stilistisch schnörkellos, aber hochpräzise und voller subkutaner Bedeutung. Für Leser*innen, die intelligente, leise Literatur schätzen.

  2. Zarte Geschichte über Zeit, Mut und ein Mädchen mit rotem Schal

    Dieses Buch hat mich still gemacht. Die Autorin erzählt in ruhigen, präzisen Szenen von einem Dorf, in dem ein alter Uhrmacher, Herr Sibenthal, im Hintergrund an der Zeit rührt. Besonders berührt haben mich die Kapitel um Sofia im Kinderhospiz: ihr roter Schal, die Bank am Fluss, das kaputte Uhrwerk, das „trotzdem läuft“ , und ihr innerer Monolog im „Freizeitpark im Kopf“. Carla als beobachtende Ich-Näherin und Ruben mit seinem fast unheimlichen Schachblick geben dem Ganzen Tiefe. Der Schreibstil ist leise, bilderreich, ohne Kitsch – Sätze wie „Lachen ist keine Medizin. Aber manchmal hält es länger als Morphium“ bleiben. Ein stilles, großes Buch.

  3. Lena H. („Bücherherz")

    Emotional, ohne kitschig zu werden

    Ich habe die letzten Kapitel fast am Stück durchgelesen und mehrfach Tränen in den Augen gehabt. Besonders die Szene in Sibenthals Werkstatt, wenn Ruben zum ersten Mal wieder spricht („Ich … glaub … schon“), hat mich umgehauen. Man spürt die ganze Spannung in diesem einen Satz. Später, wenn im Hospiz Kinder lachen, während drinnen die Uhr leise tickt und die Glocke der Kapelle erklingt, entsteht eine Atmosphäre von Trauer und Hoffnung zugleich. Wunderschön fand ich auch, wie Carla mit ihrem leeren Notizbuch ringt; manche Dinge gehören eben nicht auf Papier. Der Schreibstil ist schlicht, aber voller Bilder, nie kitschig. Ein Buch, das einen noch begleitet, wenn man es längst zugeschlagen hat.

  4. Wunderschön entschleunigt

    „Eine winzige Nichtigkeit“ lebt von Atmosphäre. Man riecht die Werkstatt von Herrn Sibenthal, hört das Ticken der Uhren, sieht Frau Stolzenberg über die Werkbank schreiten. Die stärksten Momente sind die ganz konkreten: Ruben, der nach langem Schweigen ein einziges Wort sagt; die Kapellenglocke, die mit einem Stück Filz „weicher“ wird und plötzlich den Alltag im Dorf verändert; der Stromausfall, in dem sich alle wieder begegnen. Der Schreibstil ist fein beobachtend, fast minimalistischer magischer Realismus. Man muss allerdings bereit sein, sich auf ein Erzählen ohne Hast und auf viele Zwischentöne einzulassen.

  5. Dr. Johanna Merz

    Ein stilles Meisterwerk – präzise wie ein Uhrwerk

    Literarisch überragt dieses Buch vieles, was derzeit im deutschsprachigen Feuilleton gefeiert wird. Die Autorin arbeitet mit Motivreihen, die sich subtil durchziehen: das Notizbuch, das nie ganz beschrieben wird; die Uhr, die „für alle weiterläuft“; die Glocke, deren Ton das Tal füllt; die Katze Frau Stolzenberg als stumme Zeugin in zentralen Szenen. Leitmotive wie Zeit/Uhren und Wasser/Fluss durchziehen alle Ebenen – von Sofias verstummter Pendeluhr bis zur anschwellenden Flut. Formal beeindruckend ist, wie aus einem Hangrutsch kein Katastrophenroman, sondern eine Reflexion über Verantwortung wird. Rubens große Tat, Étiennes Geste mit der Medaille – all das ist von stiller, unsentimentaler Würde. Große Literatur, die ohne Pathos auskommt und dennoch tief
    berührt.

  6. Sabine R., lebt im Ahrtal

    Wer Hochwasser erlebt hat, erkennt vieles wieder

    Mich hat vor allem die Atmosphäre getroffen. Die Beschreibung des alten Hospizes im Wasser, der verzogenen Kellertür, des modrigen Geruchs, später dann des neuen Hauses mit Riss in der Südwand – das ist schmerzhaft realistisch. Dieses Gefühl, ständig zu prüfen, ob der Hang hält, ob der Fluss ruhig bleibt, kenne ich nur zu gut. Berührend fand ich, wie Gemeinschaft gezeigt wird: Ruben, der „Hier war Zuhause“ ins Eichenbrett ritzt, Therese mit ihrem nüchternen Mut, Isabell zwischen Nähe und Distanz zu Étienne. Tod wird ohne Pathos erzählt, gerade darum geht er so nahe. Dass am Ende Rubens Glocke ohne Klöppel bleibt und nur die Standuhr tickt, ist ein starkes Bild: Das Leben
    geht weiter, aber anders. Ein wichtiges, tröstliches Buch.

  7. Sailer erzählt mit einer Ruhe, die fast schon trotzig ist in unserer schnellen Zeit. Die Szene der „historischen Unterzeichnung“, in der Sibenthal das Pendel der Rathausuhr ein paar
    Sekunden zu lange festhält, ist meisterhaft gebaut: Kameras, Minister, der Bürgermeister – und dann diese verdichtete Stille, in der plötzlich nichts mehr unterschrieben wird. Der Roman bleibt konsequent bei den kleinen Verschiebungen: die reparierte Spieluhr, die gedämpfte Kapellenglocke, eine Katze, die ein ganzes Orchester bremst. Besonders gefallen hat mir Carla als jugendliche Beobachterin, die alles registriert, aber noch nicht einordnen kann. Der Stil ist klar, knapp, ohne Kitsch – und gerade dadurch sehr poetisch. Ein leises, kluges Buch.

Leserstimmen

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